Potenzial zur CO2-Einsparung

    Der Verband der Schweizerischen Biotreibstoffindustrie Biofuels hat den Schweizer Bioethanol- und Biodieselmarkt in den letzten Jahren kräftig vorangebracht. Momentan stehen die Technologieneutralität, die Revision des CO2-Gesetzes mit Beimischpflicht sowie die erneuerbaren flüssigen Brennstoffe im Fokus. 

    (Bilder: zVg) Haben Zukunftspotenzial zur Senkung der CO2-Emission: Der Anteil von flüssigen biogenen Treibstoffen im letzten Jahr in der Schweiz wird auf etwa vier Prozent der gesamten Absätzen Diesel und Benzin geschätzt.

    Seit über 15 Jahre werden Biotreibstoffe in der Schweiz hergestellt. Aktuell sind 6 Biodieselproduktionsanlagen in Betrieb, die mit Altspeiseölen aus Restaurantbetrieben ein Normprodukt herstellen. «Im Vergleich zu europäischen Anlagen sind die Schweizer Produktionsstätten jedoch klein», erklärt Martin Joss, Geschäftsführer von Biofuels. Es existieren zurzeit drei unterschiedliche Biotreibstoffe in der Schweiz, welche alle aus Abfällen und Reststoffen hergestellt werden: Biodiesel, Bioethanol und HVO oder auch HEFA (Hydrotreated Esters and Fatty Acids) genannt. «Biotreibstoffe sind das wichtigste Instrument, um die CO2-Reduktionsziele der Schweiz zu erreichen», betont Joss. Biotreibstoffe werden zwischen verschiedenen Generationen unterschieden: Während bei der ersten Generation nachwachsende Rohstoffe wie Ölsaaten oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion dienen, sind es bei der zweiten Generation Abfälle und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft wie Holz oder tierische Fette und Altspeiseöle. Diese stehen weder mit Nahrungs- noch mit Futtermitteln in Konkurrenz. Biotreibstoffe der dritten Generation stehen noch in der Entwicklungsphase – Beispiele dafür sind Biodiesel aus Algen sowie synthetische Treibstoffe. Dazu Joss: «Es ist teilweise jedoch schwierig, die drei Generationen klar zu trennen. So wird oft von der ersten Generation und Bioteibstoffe der nächsten Generation – der sogenannten «Advanced Biofuels» – gesprochen.»


    Martin Joss, Geschäftsführer von Biofuels: «Mit einer Beimischpflicht steigt der Marktanteil auf rund sechs Prozent. Damit würden die CO2-Einsparungen um 50 Prozent auf rund 900’000 Tonnen CO2 pro Jahr ansteigen.»

    Strenge Vorschriften
    Die Advanced Biofuels haben gemäss Joss das grösste Potenzial zum Einsparen von CO2-Emissionen und sind im Trend. So stiegen die Mengen mit dem CO2-Gesetz ab 2013 stark an. «Heute reduzieren sie rund 600’000 Tonnen CO2 pro Jahr. Biotreibstoffe werden dem Diesel und Benzin beigemischt. Die Höhe der Beimischung wird über die Treibstoffnormen geregelt.» Beim Diesel dürfen gemäss SN EN 590 7 Prozent Biodiesel und beim Benzin gemäss SN EN 228 5 Prozent Bioethanol beigemischt werden. HVO wird ebenfalls dem Diesel beigemischt, wobei der Anteil nur indirekt über Normparameter wie der unteren Dichte begrenzt wird. Biotreibstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen waren anfangs im Markt noch vertreten und mit Steuererleichterungen gefördert. Das Parlament entschied jedoch, dass nur noch Abfälle und Reststoffe den fossilen Treibstoffen beigemischt werden sollen. Mit dem CO2-Gesetz von 2013 verankerte das Parlament das sogenannte Prinzip «Teller-Trog-Tank». 

    Im Jahr 2021 wurden 3,1 Milliarden Liter Diesel und 2,8 Milliarden Liter Benzin in Verkehr gebracht. Biodiesel und HVO entsprachen knapp fünf Prozent des Dieselabsatzes. Beim Bioethanol ist es ähnlich: Rund drei Prozent des Benzinabsatzes Bleifrei 95 wurde durch Bioethanol abgedeckt. «Wir schätzen den Anteil von flüssigen biogenen Treibstoffen im letzten Jahr in der Schweiz auf etwa vier Prozent des gesamten Absatzes Diesel und Benzin», so Joss. 


    Im Jahr 2021 wurden 3,1 Milliarden Liter Diesel und 2,8 Milliarden Liter Benzin in den Verkehr gebracht.

    Für die Technologieneutralität einstehen
    Auf politischer Ebene engagiert sich der Verband für gleichlange Spiesse für alle erneuerbaren Energien. «Wir wehren uns gegen Technologieverbote und einseitige Bevorteilungen», konkretisiert Joss. «Für uns ist klar, dass die fossilen Energieträger nicht über Nacht verschwinden werden. Mit erneuerbaren Treib- und Brennstoffen kann fossiles CO2 mit der bestehenden Infrastruktur sofort und ohne Komforteinbusse reduziert werden.» Aktuelle Baustellen sind zudem die Revision des CO2-Gesetzes sowie der Umsetzung einer Motion, die erneuerbare Treibstoffe im Güterverkehr bei der LSVA bevorzugen soll. Mit der Revision des CO2-Gesetzes ist eine Beimischpflicht vorgesehen. Im Gegenzug fallen die Steuererleichterungen weg. «Diese Idee hat gute Chancen, entspricht sie doch weitgehend jenen der europäischen Länder», ist Joss überzeugt. «Mit einer Beimischpflicht steigt der Marktanteil auf rund sechs Prozent. Damit würden die CO2-Einsparungen um 50 Prozent auf rund 900’000 Tonnen CO2 pro Jahr ansteigen.»

    Synthetische Treibstoffe als künftige Innovationen
    Herausforderungen sind momentan die durch die Pandemie und den Ukraine Krieg gestiegenen Rohstoffpreise. «Auch die Preise für die Biotreibstoffe steigt somit stark an – unter anderem auch weil die Flugindustrie die Biotreibstoffe entdeckt hat.» Hoffnungsträger der Zukunft sind synthetische Treibstoffe und die Power-to-X-Technologie. Diese Technologie existiert schon länger und es gibt weltweit grosse Energiekonzerne, die in sie investieren. Es handelt sich dabei häufig um Pilotanlagen. Synthetische Treibstoffe versprechen jedoch viel: «Aus erneuerbaren Energien können nahezu CO2-neutrale Treib- und Brennstoffe hergestellt und bestehende Infrastrukturen genutzt werden. Zudem sind synthetische Treibstoffe gut lager- und transportierbar.» Die Flugindustrie ist – wie oben erwähnt – stark an Sustainable Aviation Fuels (SAF), nachhaltigem Kerosen, interessiert und wird ein grosser Treiber sein.

    Der Verband initiiert zusammen mit Heizölhändlern, Heizungsherstellern und Kaminfegern weitere Projekte rund um die biogenen Brennstoffe. Ein wichtiges Datum in der Agenda des Verbandes ist der 9. November. Dann führt Biofuels den 4. Branchentag in Bubendorf durch. «Wir erwarten wieder über 100 Teilnehmende.»

    Die gesamte Treib- und Brennstoffbranche hat grosses Zukunftspotenzial, bemüht sie sich doch mit den Initiativen für erneuerbare Treib- und Brennstoffe massiv um die Umsetzung einer der wichtigsten Klimaschutzmassnahmen der Schweiz. «Vieles hängt momentan von der Botschaft zur CO2-Gesetzesrevision ab, respektive der Beimischpflicht, mit welcher entsprechend mehr CO2 eingespart werden kann.» 

    Corinne Remund

    www.biosprit.org


    Das macht Biofuels Schweiz 

    Der Anfang der Biotreibstoffe geht in die Nuller-Jahre zurück. Sie wurden damals als Allerheilmittel für das Treibhausgasproblem des Verkehrs hochgejubelt. Mehrere kleine Produzenten begannen mit der Produktion von Biodiesel aus Raps und Altspeiseöl. Borregaard – ein norwegisches Unternehmen – produzierte damals noch in der Schweiz Bioethanol aus Holzabfällen. Diese Produzenten schlossen sich im August 2007 zum Verband Biofuels Schweiz zusammen. Der Verband vertritt die Interessen der Schweizerischen Biotreibstoffindustrie und der Mitglieder gegenüber Behörden, Politik und Marktteilnehmern. Als Branchenverband definiert und publiziert Biofuels Schweiz Normen, Richtlinien und Zertifizierungsgrundlagen und nimmt im Namen seiner Mitglieder an Vernehmlassungs- und Konsultationsverfahren teil. Dabei arbeitet der engagierte Verband eng mit verwandten Organisationen und Branchenverbänden des Energiebereichs auf nationaler und internationaler Ebene zusammen und ist bestens vernetzt. 

    Aktuell hat der Verband 88 Mitglieder. Sie lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen: Biotreibstoff-Produzenten und -Importeure, Mineralölhändler und andere Firmen mit enger Verbindung zur Branche wie Lastwagenimporteure, Schweizer Transportunternehmen oder andere Mitglieder, die auf Biodiesel als Treibstoff setzen. Bei den sechs Schweizer Produzenten arbeiten rund 20 Personen, bei den Biotreibstoffen-Importeuren circa 80 Personen. Weitere Beschäftigte finden sich im Handel und im Retailgeschäft der Treib- und Brennstoffhändler. 

    Anhand der Import- und Produktionszahlen beläuft sich der jährliche Umsatz der Branche auf rund 350 Millionen Franken pro Jahr.

    CR